1705, Sendlinger Mordweihnacht, der Schmied von Kochel
“Lieber bayrisch sterb’n als kaiserlich verderb’n” Dieser Geschichte
hat sich der Münchner Autor Felix Prüller angenommen. Im Mai 1851 wird Prüllers “Schmied von Kochel” in 3 Akten mit Gesang erstmals aufgeführt. Es folgen 51 Aufführungen, das Stück wird ein riesiger Erfolg. Mit “
Die Christnacht in München im Jahre 1705” und “Die beiden Hafner, Vater und Sohn” hat Prüller das Stück noch zweimal überarbeitet und sie wurden etliche Jahre in München gespielt.
Die Szene ändert sich und die
Prüller – Stücke werden vergessen. Michael Schuster, ein Schreiner aus Benediktbeuern greift um 1873 den Stoff auf und schreibt das Stück “Der Schmied von Kochel” in 10 Bildern mit Vor- und Nachspruch. Dieses Stück wird
hinkünftig als “Glasschuster – Stück” bezeichnet. Nach Aufzeichnungen des “Baron von Aufseß” wurde dieses Spiel 1874 von den Großweilern und Schlehdorfern uraufgeführt.
“Bad Kochel” 1882 : “Mit hoher
obrigkeitlicher Bewilligung” wird in Kochel am Kochelsee, Eisenbahnstation Tölz, Penzberg, Murnau, das Volksdrama “Der Schmied von Kochel” von Michael Schuster (Glasschuster) im Kurhotel des Bades Kochel (heutiges St.
Annaheim) aufgeführt. Josef Panholzer war Schmied – Darsteller, die zwei Hafner waren Rieger Johann und Daser Johann. Das Stück wurde 9 mal mit grossem Erfolg aufgeführt und im darauffolgenden Sommer 1883 weitere
6 mal gespielt.
Es bildete sich ein gehöriger Stamm von Laiendarstellern in Kochel, die ihrem Schmied ein Denkmal setzen wollten. Der damalige Kochler Pfarrer Hartmann hat um die Jahrhundertwende “die Kräfte
gebündelt”. In den Jahren 1898, 99 und 1900 hat der Kochler Schmiedemeister Heinritzi Benedikt den Schmied gespielt, Regie führte Pfarrer Hartmann selbst. Vor immer ausverkauftem Haus wurde das Schmied von Kochel Spiel
3 Sommer lang 50 mal gespielt und erbrachte somit im Erlös die nötige Summe zur Errichtung des Denkmals “Schmied von Kochel” mit Einweihung am 27. Mai 1900 am Dorfplatz in Kochel.
Eindrucksvoll wie das Spiel, war
auch die Einweihung des Denkmals, an der neben gut 1000 Schützen auch Prinzregent Luitpold teilgenommen hat.
Vom Zeitgeist berührt haben sich mehrere Autoren dem Schmied – Thema gewidmet, wie z. B. der Tölzer
Historiker Professor Sepp mit einem Bühnenstück in 5 Akten, oder Drama in 3 Akten “Lieber bayerisch sterben” von Frey Karl und Hagen Wilhelm, die aber nicht aufgeführt wurden.
1911 hat Josef Ruederer das
Volksstück am Münchner Schauspielhaus uraufgeführt, welches von Kritikern verrissen wird und wohl eher als schwach anzusehen war.
Es wurde still um den Schmied von Kochel. Baron von Aufseß versuchte 1928 die
Festspiele zu beleben, doch die damals “schlechte Zeit” war dazu nicht angetan.
Nach fast 4 Jahrzehnten, am 8.Mai 1938 wird in der Heimatbühne in Kochel (Baubeginn 1935) das “Heimatspiel Schmied Balthes” unter der
Regie von Sagmüller Georg aufgeführt. Den Schmied spielt der Biller Sepp, Öttlinger, den Pfleger von Starnberg spielt Schreinermeister Mayr Sepp und den Jägerwirt stellt der Allgäuer Toni im Alter von gut 80
Jahren dar. Im Sommer 1939 wird das Stück noch gespielt, bis am 1. September der 2. Weltkrieg die Theaterer unterbricht.
Erst 1955 im 250. Jahr nach der Sendlinger Mordweihnacht wird wieder “Der Schmied
von Kochel” gespielt. Friedrich Forster-Burggraf vom Bayerischen Staatstheater überarbeitete den Stoff neu und so wurde das Stück unter der Regie von Sagmüller Georg zum grossen Erfolg für die Kochler Theatergemeinde.
Auf Anregung von Lautenbacher Benedikt aus Ort, wurde das “Schmied von Kochel Spiel” am 15. Mai 1980 wiederaufgeführt. Der historische Stoff wurde vom “Dengg”, Demleitner Hans neu aufbereitet und unter der Regie
von Pfarrer Karl Abt 31 mal aufgeführt. Auch diese Spiele wurden ein voller Erfolg der Kochler Theaterer, die sich daraufhin zum Theaterverein formiert.